Unsere diesjährige Tagung fand im
Aquazoo Löbbecke Museum
in Düsseldorf statt, wo wir bereits im
Jahre 2009
zu Gast sein durften.
Der erste Vorsitzende, FLORIAN HÄSELBARTH, hieß die z.T. wieder von weither angereisten Teilnehmenden herzlich willkommen und
eröffnete die mittlerweile 25. Jahrestagung mit einem kurzen Ausblick auf die geplanten Programmpunkte und einigen organisatorischen
Hinweisen zum Ablauf der Veranstaltung.
Zunächst begrüßte uns die stellveretende Direktorin des Aquazoos und Kuratorin für den Landbereich ( Amphibien, terrestrische Wirbellose, Reptilien ),
SANDRA HONIGS, und erinnerte daran, dass unsere Arbeitsgemeinschaft hier im Aquazoo am 26/27 April 1997 ursprünglich
gegründet
worden war.
Der Aquazoo Löbbecke Museum, der eine Verschmelzung von Zoo, Aquarium und Naturkundemuseum darstellt, bietet neben der Ausstellung musealer Exponate und interaktiver
Medien zur Veranschaulichung von Entwicklung und Bedeutung der Biodiversität auch naturnah gestaltet Gehege zur Haltung und Zucht bedrohter Tierarten vor dem Hintergrund
von Umweltzerstörung und Artenschwund.
Daneben werden Forschungsvorhaben und Artenschutzprojekte im Feld unterstützt.
Zu diesem Zweck dient auch der Artenschutz-Euro, ein freiwilliger Sonderbeitrag zu jedem erworbenen Eintritts-Ticket, der unmittelbar und in voller Höhe in ausgewählte
Artenschutzprojekte fließt.
SANDRA HONIGS wies ausdrücklich auf die Bedeutung von Zusammenarbeit und Wissensaustausch ihrer Einrichtung mit engagierten Privathaltern hin, da diese einen viel engeren
Kontakt zu ihren Tieren haben und wertvolle Erfahrungswerte liefern können.
Das eigentliche Tagungsprogramm startete anschließend mit einer Führung durch den Backstage-Bereich der Ausstellung, der momentan Baustelle ist.
Dort sind dringende Abdichtungsarbeiten im Bodenraum nötig und einige Tiere aus dem Landbereich mußten ihre Schaugehege räumen, um vorüber-
gehend hinter den Kulissen der Ausstellung im Pädagigik-Trakt untergebracht zu werden.
Neben den technischen Funktionsbereichen für Versorgung und Betrieb der Schauanlagen konnten auch Rämlichkeiten zur Quarantäne, Futtertier- und Erhaltungszucht sowie
die zentrale Futterküche mit Kühl- und Gefriereinrichtungen besichtigt werden.
SANDRA HONIGS und ihr Kollege MARKUS JUSCHKA wußten viel Historisches, Aktuelles und Geplantes zu den einzelnen Stationen zu berichten.
Leider sind aus Platzmangel einer Erweiterung der technischen Anlagen Grenzen gesetzt.
Ebenfalls mußte man sich aus Platzgründen bei der Haltung von Krokodilen auf
kleinerbleibende Arten wie Stumpfkrokodile ( Osteolaemus tetraspis ) und Australische Süßwasserkrokodile ( Crocodylus johnsoni ) beschränken.
Australisches Süßwasserkrokodil ( Crocodylus johnsoni ) - Jungtier
Nach der Mittagspause stellte SIMONE KARLOWSKI vom Zoo Dortmund Markierungsmethoden für Krokodile im Freiland vor.
Diese dienen der Standortverfolgung und zur Identifizierung von Problemtieren.
Gängige Verfahren dabei sind :
- Cutting : Schwanzosteoderme werden nach einem vorgegebenen Codierungsschema herausgeschnitten.
Das Verfahren ist zwar dauerhaft und kostengünstig, kann aber wegen des Eingriffs Infektionen nach sich ziehen.
Die Kennzeichnung bietet nur eine eingeschränkte Fernsichtbarkeit und kann leicht durch spätere Verletzungen unkenntlich gemacht werden.
- GPS-Sender
- Farbmarkierung
- Radiotransmitter
- externe Marker : Viehmarker aus Metall werden in dorsalen Schwanzosteodermen mit Schrauben befestigt.
Sie sind gut sichtbar und kostengünstig, können aber verloren gehen oder abnutzen bzw. ausbleichen.
Allerdings lassen sie sich problemlos ersetzen.
- DNA-Proben
- Fotodokumentation : Das individuelle Schuppenmuster wird mit der Kamera festgehalten, wobei auch Drohnen zum Einsatz kommen.
Die Tiere brauchen nicht eingefangen zu werden, aber der zu markierende Bereich muss gut sichtbar sein, wobei der Trübungs-
grad des Wassers und Lichtreflektionen an der Oberfläche die Bildqualität entscheidend beeinflussen.
ALEXANDER MEURER freute sich, auch in diesem Jahr von einer gelungenen Nachzucht der seltenen China-Alligatoren ( Alligator sinensis ) berichten zu können.
Das erfolgreiche Zuchtpaar aus dem Vorjahr ( 2 gesunde Jungtiere ) brachte am 18.06.2025 die Ablage von 23 Eiern zustande, die unmittelbar aus dem Nest entnommen und künstlich inkubiert wurden.
Am 18.08.2025 waren dann letztendlich 15 Jungtiere geschlüpft.
Vorausgegangen war die Überwinterung von 2024 auf 2025 in einer beheizten Höhle mit verschiedenen Ebenen in einer naturnahen Außenenanlage bei 10 - 12 Grad Celsius.
Der gesamte Bereich war mit Gewächshausfolie überspannt und konnte bei Bedarf mit einem Infrarotstrahler zusätzlich erwärmt werden.
Das Nest wurde vom Weibchen aus bereitgelegten Bambuslaub aufgeschichtet und danach von beiden Elterntieren verteidigt.
Im Anschluß referierte SARAH CARPENTIER
(
www.zoocampus.fr
)
zum Thema "Krokodiltraining" .
Sie gibt als qualifizierte und professionelle Trainerin Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene, die Theorie, Praxis und die Beantwortung individueller Fragen umfaßen.
In diesem Rahmen schult sie auch regelmäig das Team vom
Seelter Reptilienhuus
.
Sarah führte aus, wie wichtig ein Training von Krokodilen für die Tiere, aber auch für die Pfleger ist.
So lassen sich beispielsweise notwendige Reinigungs- und / oder Reparaturarbeiten im Gehege deutlich stressfreier und ungefährlicher durchführen, wenn die Tierew entsprechend
trainiert sind.
Sarah bietet diese Kurse auch für Privathalter an, der Kontakt ist über ihre
Homepage
möglich.
Frau Dr. K. ALEXANDRA DÖRNATH, Inhaberin der
Tierarztpraxis 'Klein Mexiko'
für Zootiere, Circustiere sowie exotische Heimtiere, widmete sich in ihren Ausführungen der Frage
' Was wäre die Welt ohne Zoos ? ' .
Täglich sterben mehr als hundert Tier- und Pflanzenarten aus.
Durch Klimawandel und menschliche Aktivitäten geht die Biodiversität zunehmend unwiederbringlich und für
immer verloren.
Jede Art ist wertvoll um ihrer selbst willen.
Während Zoos früher reine Tiersammlungen darstellten, spielen sie heute mit ihren Zuchtprogrammen eine
herausragende Rolle bei der Arterhaltung.
Viele gefährdete Arten leben mittlerweile nicht mehr in freier Wildbahn, sondern nur noch in Zoos, wo man bemüht ist, sie
in abwechslungsreicher Umgebung artgemäß zu betreuen.
Zoologische Einrichtungen sind somit die heutige Arche, der Rettungsanker, das Notfall-Backup, die genetischen Tresore.
Jede erhaltene Art steht dabei für den Erfolg dieser Arbeit.
Ferner dienen Zoos als Bildungsplattform, als Botschafter der Natur und als Wissensbrücke, zumal viele Menschen den Bezug zur Natur
verloren haben.
Nicht zuletzt fungieren sie als Stätten der wissenschaftlichen Forschung.
Die hier gewonnenen Erkenntnisse können wieder zur Erhaltung freilebender Artgenossen eingesetzt werden.
Die Referentin legte den Anwesenden zu diesem Thema auch den Artikel
' Ohne Zoos nichts los '
von HEIKO WERNING, erschienen 2019 in der TAZ, nahe.
Der letzte offizielle Programmpunkt der Tagung stand unter dem Thema " Quo vadis, AG Krokodile ? ".
Um unsere Arbeitsgemeinschaft weiter zu reaktivieren und die Mitglieder besser zu vernetzen, wurden folgende Maßnahmen vorgeschlagen :
- jeder ist angehalten, Haltungs- und Erfahrungsberichte sowie Ideen / Erfahrungen beim Anlagenbau zwecks Dokumentation auf der Homepage
mitzuteilen.
- es soll ein Bestandsbuch erstellt werden, das eine Liste der innerhalb der AG gehaltenen Arten sowie eine Liste der erfolgreichen Nachzuchten
umfaßt.
Dies kann auf Wunsch auch anonymisiert werden.
- zum besseren Informationsaustausch und zum Knüpfen von Kontakten wurde für die AG eine WhatsApp-Gruppe eingerichtet.
Wer diese Bemühungen um die weitere Professionalisierung der AG unterstützen möchte, solle bitte seine Beiträge an die Mail-Adresse
ag-krokodile@web.de
senden.
Zum zwanglosen Ausklang der Tagung fanden sich viele Teilnehmer anschließend noch zu einem gemeinsamen Abendessen in einem Düsseldorfer Restaurant ein.
Einmal mehr liegt eine interessante und spannende Tagung mit vielen netten, informativen Gesprächen hinter uns.
Wir danken dem Team vom Aquazoo Düsseldorf für die herzliche Gastfreundschaft, die Bereitstellung der Räumlichkeiten und die geduldige Beantwortung unserer Fragen,
den Referenten für ihre interessanten Beiträge und allen Tagungsteilnehmenden, die ausnahmlos zum guten Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben.